Architektur als Social Design

Begegnungsraum – für Geflüchtete und Stuttgarter Bürger/innen

 

2017 – Universität Stuttgart

Institut für Baukonstruktion und
Entwerfen 1, Prof. Cheret

Projektleitung: Meike Hammer und Tine Teiml

Studierende der Universität Stuttgart

 

 

Ein Treffpunkt in Stuttgart Mitte.
Für Neuankömmlinge & BürgerInnen,
Studierende, Groß, Klein, Jung und Alt.
Geschaffen um den Austausch
verschiedener Kulturen zu fördern.

 

 

Mit dem gemeinnützigen Bauprojekt ‘Begegnungsraum’ machten es sich angehende ArchitektInnen und weitere Studierende verschiedener Hochschulen zur Aufgabe, einen kleinen Beitrag zur Integration von Geflüchteten zu leisten. Hierbei stand für sie ganzheitliches Engagement an erster Stelle, von der Konzeptidee bis hin zur baulichen Realisierung im Selbstbau durch Studenten, Geflüchtete, Ehrenamtliche und Fachexperten. Das Projekt wurde ausschließlich über Spenden finanziert. Das Projekt lief im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Fakultät für Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart und fand am Institut für Baukonstruktion und Entwerfen 1 unter der Leitung von Professor Peter Cheret und in Kooperation mit der Plattform e1nszue1ns statt.

 

Entwickelt wurde die Idee im Rahmen einer Masterarbeit im Oktober 2015. Bereits in der Vorbereitung für den Entwurf half ein eigens konzipierter Workshop in einer Unterkunft zusammen mit Sozialarbeitern und Geflüchteten, bei der Erarbeitung der Bedürfnisse der Beteiligten. Dabei war man sich einig: Es gibt zu wenige “Begegnungsorte“ sowohl zwischen Zimmernachbarn, als auch zwischen Geflüchteten und Stuttgarter BürgerInnen!

 

Zu Beginn des Sommersemesters 2016 wurde der Begegnungsraum im Rahmen der Lehrveranstaltung in Absprache mit den beteiligten Ämtern weiter überarbeitet. So konnte eine Erweiterung des Bauantrages Anfang Juli in Abstimmung mit dem Baurechtsamt eingereicht werden und seit Herbst 2016 mit vorliegender Baugenehmigung in die Realisierung des Projekts übergegangen werden. Während des Wintersemesters 2016/2017 trug sich die weitere Planung, sowie Realisierung Teil einer aktuellen Lehrveranstaltung an der Universität Stuttgart und zusätzlich hochschulübergreifend an der Hochschule für Technik Stuttgart zu.

 

Der Begegnungsraum für Geflüchtete und Stuttgarter BürgerInnen wurde auf dem gleichen Grundstück wie die Systemunterkünfte in der Breitscheidstraße realisiert. Die Systemunterkünfte, die Ersten dieses Typs im Stuttgarter Zentrum, wurden Ende August von 150 Geflüchteten bezogen, darunter befinden sich 70 Kinder und Jugendliche. Das Projekt bot und bietet für die Beteiligten die Möglichkeit, soziale Verantwortung zu übernehmen und etwas zur Kommunikation und Vernetzung beizutragen. Die Gemeinschaft wurde sowohl durch die gemeinsame Bauzeit als auch durch die gemeinsame Nutzung des Gebäudes nach der Fertigstellung gestärkt. Das Gebäude umfasst zwei Räume die gleichzeitig genutzt werden können. Zum einen der größere, extrovertierte zur Stadt geöffnete Begegnungsraum, zum anderen der introvertierte Lernraum, welcher zum Hof der Unterkunft gerichtet, ruhigeren Aktivitäten dient. Ein funktionaler Kern in der Mitte trennt die beiden Nutzungen voneinander. Er beinhaltet neben einer Teeküche, die eine Möglichkeit für gemeinsames Kochen bietet, auch sanitäre Anlagen, sowie Stauraum. Der Raum ist in direkter Nachbarschaft des Campus Stadtmitte/Stadtpark der Universität Stuttgart und der Hochschule für Technik. Umgeben von kulturellen Einrichtungen wie der Liederhalle und dem Lindenmuseum finden sich auch ein Studentenwohnheim, das Katharinenhospital und das Hospitalviertel in unmittelbarer Nähe. Einkaufsmöglichkeiten, Bildungseinrichtungen, Spielplätze, sowie die öffentlichen Verkehrsmittel sind direkt erreichbar.

 

Die Öffnungszeiten des Begegnungsraumes sind über einen Kalender und analoge Aushänge geregelt. Es gibt feste Zeiten für unterschiedliche Bespielungen. Je nach Format gibt es über das Koordinationsteam hinaus Verantwortliche, die die Schlüssel verwalten und über einen zuvor abgeschlossenen Nutzungsvertrag die Regeln des Hauses einhalten. Der Begegnungsraum versucht über möglichst viel Aufenthaltsflächen in Form von Sitzgelegenheiten vor und im Haus zum Verweilen, Durchatmen und Kommunizieren einzuladen.

 

Oftmals wird von den Geflüchteten in den Unterkünften die Lautstärke, das Verhalten der Zimmernachbarn, die Enge, sowie das fehlende Verständnis der anderen oder der eigenen Kultur kritisiert. Das Projekt soll im ersten Schritt als neutrales Raumangebot wahrgenommen werden, das durch eigene Initiativen der Geflüchteten in Kooperation mit Stuttgarter BürgerInnen bespielt werden soll um ein besseres Verständnis der anderen Kultur zu fördern. Wie auch bei der Realisierung des Gebäudes, sollen die Geflüchteten aktiv an der Gestaltung Ihres Alltags teilhaben und auch dazu aufgefordert werden, Tätigkeiten, denen Sie in Ihrem Heimatland nachgegangen sind auszuüben und mit Stuttgartern zu teilen.
Durch die Verknüpfung mit bereits bestehenden und entstehenden Initiativen für Neuankömmlinge, soll im Dialog ein Kulturenaustausch und ein besseres Verständnis des Gast-, sowie des Heimatlandes entstehen. Die Zielgruppe des Projektes sind alle StuttgarterInnen die den Kulturaustausch auf neutralem Boden untereinander suchen, ob Geflüchtete, Migranten, Studierende oder BürgerInnen die schon länger in Stuttgart leben. Das Projekt ist Verknüpfungspunkt zwischen „neuen“ und „alten“ Stuttgarter NachbarInnen. Ein Ziel für die nächsten Jahre ist die Verknüpfungsarbeit, die bereits mit den umliegenden Institutionen wie der Motorpresse, den Hochschulen, dem Hospitalforum, dem Lindenmuseum und den Freundeskreisen geleistet wird, weiter auszubauen um auch zu den anderen Willkommensräumen einen engen Draht zu haben.

 

Das Team besteht aus den Projektinitiatorinnen Meike Hammer und Tine Teiml, der Projektbetreuerin Andrea Laux, der Projektkoordinatorin Adelheid Schulz, zwei der Architekturfakultät zugehörigen Hiwis (wechselnd) –  Hanna Müller und Theresa Hölz und zwei Geflüchteten – momentan Neamat Barekzahi und Fatima Idrees.

 

Die Freundeskreise Stuttgart Mitte und West begleiten und bespielen das Projekt. Darüber hinaus wird der Begegnungsraum überwiegend von bürgerschaftlichem Engagement getragen. Diese Gruppen entwickeln verschiedene Formate um einen gelingenden Kulturenaustausch zu fördern.

 

Begegnungsraum für Geflüchtete und Stuttgarter Bürger/Innen

Breitscheidstraße 2f Stuttgart

 

Mehr Informationen:

hallo@begegnungsraum-stuttgart.de

begegnungsraum-stuttgart.de

facebook.com/weltraeume