Architektur als Social Design

Flucht, Ankunft, Integration

 

2016 – Stuttgart, Deutschland

Institut für Baukonstruktion und Entwerfen 1, Prof. Cheret

Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens, Prof. Allmann

 

Masterarbeit von Meike Hammer und Tine Teiml

 

In der Masterarbeit mit dem Titel Flucht, Ankunft, Integration; Ein Begegnungsraum an der Schnittstelle zwischen Flucht und Ankunft an der Architekturfakultät der Universität Stuttgart haben sich die Absolventen mit den Möglichkeiten auseinander gesetzt, wie die räumlichen Gegebenheiten der vorläufigen Unterbringungen von Geflüchteten verbessert werden können.

Hierzu haben sie zu Beginn die Strukturen analysiert, wo und wie Geflüchtete in Deutschland und speziell in Stuttgart nach der Erstaufnahmeunterkunft wohnen. Im Anschluss daran, haben sie Anfang Februar einen Nachbarschaftsworkshop in einer Gemeinschaftsunterkunft in Feuerbach organisiert, um in einem partizipativen Prozess die Bedürfnisse von Geflüchteten und Stuttgarter Bürgern zu ermitteln.

 

Die angebotenen Räumlichkeiten der Stuttgarter Gemeinschaftsunterkünfte in den Systembauten beschränken sich auf das Existenzminimum an Wohnraum und bieten kaum Aufenthaltsqualitäten, Privatsphäre oder Individualität. Dies birgt Unzufriedenheit und Konfliktpotential und mindert die Möglichkeit der Selbstentfaltung und Selbstbestimmtheit. Sowohl Bereiche für Kommunikation und Austausch in kleinen und großen Gruppen, als auch ruhige Räumlichkeiten zum Lernen und Lesen sind durch die beengte Situation nicht vorhanden.

 

Im Rahmen der Masterarbeit haben die Studierenden ein Gebäude entworfen, das sowohl eine sinnvolle kleine Erweiterung des Wohnraums der neuen, sich momentan noch im Bau befindlichen Gemeinschaftsunterkünfte der Hegel-Breitscheidstraße in Stuttgart sein soll, als auch ein Treffpunkt für Kommunikation und Vernetzung mit den umliegenden Stuttgarter Nachbarn. Die Idee ist, dass dieses Gebäude als Ort für kulturellen Austausch dient – sowohl zwischen den Geflüchteten untereinander, als auch zwischen den Bewohnern der neuen Unterkünfte und den Stuttgarter Bürgern. Die verschiedenen Gruppen sollen hier in einem lockeren Umfeld und auf neutralem Boden miteinander in Kontakt treten können. Die Räume stellen außerdem einen Ort dar, an dem die Geflüchteten zu sich einladen können. Wichtig ist darum auch, dass das Gebäude ästhetisch anspruchsvoll und individuell gestaltet ist und durch eine angemessene Materialwahl eine angenehme Atmosphäre und Aufenthaltsqualität schafft. Integration bedeutet für uns, aktive Teilhabe an den Strukturen einer Gesellschaft. Unser Gebäude schafft die Möglichkeit für Geflüchtete von Beginn an in diese Strukturen mit eingebunden zu werden und aktiv teilzuhaben. Es ist ein Ort der die Bewohner der Systemunterkünfte bei ihrem ersten Schritt zur Integration in die Stuttgarter Gesellschaft unterstützt.

 

Unter einem großen Dach vereinen wir zwei konträre Raumtypologien. Um den privaten Bereich zu erweitern, sehen wir einen ruhigen und introvertierten Raum vor. In diesem kann individuell oder in kleinen Gruppen mit Kindern und Erwachsenen gelernt werden. An diesem Ort können alle Nutzungen stattfinden, die mit einer gewissen Ruhe verbunden sind. Der zweite Bereich ist ein Begegnungsraum mit extrovertierter Anmutung. Eine Kaffeebar, eine integrierte Küche mit Kiosk zum Außenraum und ein großzügiger Innenbereich sollen einen ungezwungenen Treffpunkt schaffen. Die hier stattfindenden Nutzungen haben das Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und die Stärkung der Gemeinschaft zum Ziel. Durch die Bespielung verschiedener Institutionen kann ein kulturelles Programm an diesem Ort stattfinden. Der Raum kann zum Beispiel als Café, für gemeinsame Kochevents oder Filmabende genutzt werden. Am Abend gibt es die Möglichkeit diesen Raum nach außen hin komplett zu schließen. Somit wird er zum eigenen Wohnzimmer der Bewohner der Systemunterkünfte. Das Spiel zwischen einem extrovertierten und einem introvertierten Raum, vereint unter einem großen Dach, schafft bewusste und unbewusste Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen.

 

Das Gebäude soll auf dem gleichen Grundstück wie die zukünftigen Gemeinschaftsunterkünfte in der Hegel-Breitscheidstraße im Stuttgarter Zentrum errichten werden. Diese Lage, direkt am Campus Stadtmitte ist ideal, um durch ein gemeinschaftliches Projekt die Integration und Vernetzung von Geflüchteten mit den angrenzenden Nachbarn von Beginn an zu fördern.

 

Das Projekt ging in Kooperation mit dem Institut für Baukonstruktion 1 unter Leitung von Professor Peter Cheret und der Plattform e1nszue1ns in eine Lehrveranstaltung an der Architekturfakultät über. Im Sommersemester 2016 soll das Gebäude als partizipatives Projekt realisiert und gemeinsam mit Geflüchteten, Studierenden und Freiwilligen im Selbstbau errichtet werden. Eine Gruppe von 15 Studierenden arbeitet bereits an dem Projekt um es in die Umsetzung zu führen. Planerische Leistungen und Arbeitskraft sind Teil des universitären Studentenprojektes wofür keine finanziellen Mittel benötigt werden. Neben dem ganzheitlichen Engagement, sowie der Genehmigung des Grundstückes ist das Projekt aber auch auf materielle und finanzielle Unterstützung angewiesen, vor allem in Form von Baumaterialien, Werkzeugen und der Organisation der Baustelle. Wir stehen bereits in Kontakt mit verschiedenen Herstellern und Baufirmen, die das Projekt durch Materialspenden unterstützen werden. Ebenso sind wir mit Stiftungen im Gespräch.

 

Als angehende Architektinnen ist es den Absolventen ein großes Anliegen im Rahmen der Universität Stuttgart einen Beitrag zur Integration von Geflüchteten zu leisten und sie würden sich über jede weitere kleine und große Förderung und Sachspende für das Projektfreuen freuen. Für nähere Informationen, bei Interesse und Fragen melden Sie sich gerne bei uns:

 

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