Architektur als Social Design

Ruamaua

2013 – Sao Paulo, Brasilien
Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens
Prof. Markus Allmann, SI Internationaler Städtebau, PhD Nina Gribat
Diplomarbeit Heiner Wolfsberger und Juliane Zindel

 

In Zusammenarbeit mit den NGOs Educare und IBTE entsteht der Entwurf für eine soziale und nachhaltige Nähwerkstatt im Zentrum Sao Paulos. Das Projekt beinhaltet eine umfassende Strategie, die mit einem flexiblen und finanziell tragbaren Ansatz auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Belange eingeht und damit ein langfristiges Konzept für die Organisation darstellt. Auch wenn es nur ein kleines Rad ist, an dem wir drehen können, soll es als Prototyp auch für andere, ähnliche Projekte dienen und sich dadurch vervielfältigen.

 

Das IBTE arbeitet seit 2007 mit Kindern und Jugendlichen aus den besetzten Hochhäusern, den vertikalen Favelas, um ihnen eine Zukunftsperspektive zu bieten, indem sie sie vor allem zum Lernen motivieren und dabei unterstützen.

 

Ausbildungspatenschaften von educare eV. ermöglichen den Besuch einer guten Schule und Ausbildungsstelle. Bisher übernimmt das IBTE hauptsächlich eine Vermittlerrolle, möchte aber zukünftig auch eigene Arbeitsplätze anbieten. In der Nähwerkstatt bekommen die Kids die Möglichkeit eine Ausbildung mit zusätzlicher sozialer Anleitung zu absolvieren und werden damit optimal auf einen späteren Job vorbereitet. Außerdem soll das Projekt auf ein weiteres lokales Problem aufmerksam machen, denn in den benachbarten Vierteln, Bom Retiro und Bras, wird Kleidung unter sklavenähnlichen Bedingungen produziert. „Rua Mauá“ will darauf hinweisen, indem es faire Arbeitsbedingungen und fairen Lohn mit bester Qualität verbindet und somit den Nähern zeigt, was ihre Arbeit wirklich wert ist.

 

Das Gebäude soll aber nicht nur die Werkstatt mit Lagerflächen umfassen, sondern auch einen Verkaufsraum, eine Kantine mit regelmäßigen Mahlzeiten für Kinder und Arbeiter, Kreativarbeitsplätze, Büros und Meetingbereiche, Klassenzimmer, Spiel- und Sporflächen, und einen Wohnbereich mit je 6 Schlafplätzen. Dieses Raumangebot soll durch möglichst flexible und mobile Räume geschaffen werden. Außerdem soll der Entwurf dazu beitragen, die Organisation in der Stadt sichtbar zu machen und gleichzeitig einen grünen Rückzugsort inmitten der lauten und dreckigen Stadt für die Kinder und Arbeiter zu schaffen.

 

Mit dem kleinstmöglichen und effizienten Einsatz von Mitteln soll dabei ein Maximum an Qualität erreicht werden. Dazu wird ein additives Prinzip, mit minimalem Eingriff am Bestand, angewandt, so dass es bei Bedarf möglich ist, die Bauteile an einem anderen Ort wieder aufzubauen.