Architektur als Social Design

Übehaus

 

2016 – Stuttgart, Deutschland

Institut für Baukonstruktion und Entwerfen 1, Prof. Cheret

 

Masterarbeit von Nicola Missel

 

Was wäre, wenn es Räume gäbe, die die Gegebenheiten einer geschäftigen, lauten, gemeinschaftlichen Stadt mit dem Potential der Musik verbinden?

 

…wenn es in der Stadt Orte gäbe, an denen Musik entstehen, Musik geprobt, Musik gelauscht – Musik gemeinsam gelebt werden kann?

 

 

In einer Stadt wie Stuttgart, in der akuter Platz- und Wohnungsmangel herrscht und die Mieten in die Höhe schnellen, fällt es schwer, Orte zu finden, in denen uneingeschränkt Musik und Kultur entstehen kann. Bezahlbare Proberäume in der Stadt zu mieten, ist schier unmöglich. Und beim Musizieren in der eigenen kleinen Stadtwohnung kommen schon beim ersten Ton die Klagen der Nachbarn. Die Musikentstehung, das ureigene Üben, wird in den Hintergrund gedrängt; in Kellerräume, in dunkle verschlossene Ecken, weit weg von Kreativität, Lebensfreude und Gemeinschaft. Doch wo findet man alternative, angemessene Musikräume?

Im Zuge der Masterarbeit von Nicola Missel an der Architekturfakultät  der Universität Stuttgart ist die Idee des ‚ÜBEHAUSES‘ entstanden – Ein temporärer, gemeinschaftlicher Proberaum, der das Musiküben direkt in den öffentlichen Raum verlagert und einen urbanen Musikdialog erschafft. Das Übehaus wird im Sommersemester 2016 von einem studentischen Team am Institut für Baukonstruktion und Entwerfen 1 geplant und gebaut, sodass es im Herbst 2016 in Kooperation mit den Stuttgarter Philharmonikern und dem Jazzclub BIX auf dem Leonhardsplatz initiiert werden kann.

 

Urbanes Musizieren

In einer akustischen Umgebung, die dem unverstärkten Musizieren angepasst ist, entsteht ein Musikraum, der variable, genreübergreifende Nutzungen erlaubt: Hier kann ein Trompeter seine täglichen Etüden einstudieren; ein Musikstudent auch um zwei Uhr nachts an Probespielstellen feilen; hier kann sich der Profimusiker der Philharmoniker einspielen oder seinen Schülern eine Musikstunde geben; aber auch die Jazzer aus dem BIX können hier eine kleine Jamsession einlegen oder ein spontanes Platzkonzert geben, wenn die Türen des Musikraums geöffnet werden.

Über ein Online-Buchungssystem wird die Nutzung, Organisation und Abrechnung des Raumes geregelt. Wer angemeldet ist, kann sich den Raum für eine bestimmte Zeit reservieren und dann voller Leidenschaft vor sich hin trällern. Der Einraum schafft somit einen geschützten Ort für Musiker, in dem sie ihrem Überitus ungestört nachgehen können. Kein Nachbar klopft bei einem schallenden Fortissimo gegen die Wand, kein Mitbewohner beschwert sich bei täglich wiederkehrenden, monotonen Intonationsübungen. In der städtischen Anonymität entstehen Freiheiten, wie es sie sonst nur selten gibt.

Bei aller Abschottung, die der Überaum dem Musizierenden bietet, entsteht gleichzeitig auch eine urbane Kommunikation. Durch gezielte Transparenzen in der Hülle des Pavillons entstehen Blick- und Hörbezüge, die Flaneure zum Stehenbleiben, Lauschen, Zuschauen, Mitmachen einladen. Was wird hier musiziert? Was bedeutet es zu üben? Was steckt hinter einer perfekten Konzertvorstellung? Wie sieht der Beruf des Musikers tagsüber aus?

Als urbaner Pavillon gestaltet das Projekt nicht nur den Innenraum, sondern ebenso den Außenraum und das umliegende Viertel: Lichtelemente, die den Raum in der Nacht zum Leuchtobjekt verwandeln, öffenbare Türen, die eine Bühnensituation erzeugen, auffällige Materialien, die zur Kommunikation einladen. Der Musikraum wird zum Stadtmöbel, sowohl für Musiker als auch Passanten, und beeinflusst nachhaltig die Wahrnehmung und Atmosphäre im Stadtteil. Durch die Integration des Musikübens auf einem städtischen Platz entwickelt sich folglich ein Dialog zwischen Öffentlichkeit und Musikschaffenden, zwischen Musikentstehung und Konzerterlebnis, zwischen Stadtraum und Kulturraum.

 

Wanderndes Musikhaus

Als fliegender Bau ist das Übehaus dazu bestimmt zu wandern. Es möchte verlassene und ungenutzte Stadträume ausfindig machen und durch eine musikkulturelle Intervention neu beleben. Die elementierte Bauweise, die beschränkte Größe des Gebäudes und die baurechtlichen Hintergründe des fliegenden Baus erlauben es, den Raum von Ort zu Ort ziehen zu lassen. Auf diese Weise werden an vielen verschiedenen Stellen kulturelle Interventionen und temporäre Veranstaltungen möglich, die unbelebten Stadträumen eine neue Wertigkeit und wieder mehr Zustrom bringen. Ausgehend von dem Universitätsprojekt wird das Übehaus im Leonhardsviertel in Stuttgart initiiert. Diese erste Station stellt den Startpunkt der Reise dar. Nach drei Monaten macht sich der urbane Musikraum dann wieder weiter auf seinem Weg in neue, unbekannte Gefilde auf der Suche nach begierigen Musikern, denen ein Übezuhause fehlt.

 

Realisierung und Kooperation

Der Musikraum soll als städtisches, nicht kommerzielles Gemeinschaftsprojekt realisiert werden. In Kooperation zur Universität Stuttgart und zu städtischen Kultureinrichtungen ist das Übehaus der Stadtgesellschaft, der Erweiterung der gemeinschaftlichen Nutzflächen und der Aufwertung des öffentlichen Raumes gewidmet. Die Umsetzung des Baus wird daher in Zusammenarbeit mit Stuttgarts Bürgern, Musikern, Handwerkern und Freunden realisiert – ein Raum für ein musikalisches Miteinander von der Gemeinschaft für die Gemeinschaft.

 

Zur Realisierung des Baus und der gemeinschaftlichen Nutzung des Projektes sind wir daher auf Ihre Hilfe angewiesen! Wir freuen uns sehr über materielle, ideelle oder finanzielle Unterstützung! Bei einer Spende ab 200€ stellt die Universität eine Spendenquittung aus.

Für Anregungen, Unterstützung oder Spenden kontaktieren Sie uns gerne unter nachfolgender Adresse.

 

 

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Institut für Baukonstruktion und Entwerfen 1

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